• Diana Kottmann

Neuer «Trend»: Virtuelle Fotoshootings

Bei den virtuellen Fotoshootings oder anders gesagt «FaceTime-Fotoshootings» handelt es sich um einen Trend, der es noch nicht wirklich in den DACH-Raum geschafft zu haben scheint. Diese Tatsache ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass wir keine komplette Ausgangssperre hatten und selbständigen Fotografen/Videografen die Arbeit nicht wirklich untersagt wurde. Bis letzten Freitag zumindest. Da wurde uns doch noch der für mich unmissverständliche Riegel vorgeschoben. Bis zum 11. Mai. Scheinbar wurde vergessen, die Verordnung auch für diese Branche auszusprechen.


Natürlich könnte ich weiterhin Menschen fotografieren (Objektfotografie ist erlaubt). Aber wir wissen alle, dass momentan jeder sehr genau hinschaut und solche Dinge dann kurzerhand der Polizei melden könnte. Deshalb werde ich während diesen Tagen vorübergehend auf Peopleshootings verzichten.


Nun ja, vielleicht nicht ganz. Dies krieg' ich dann doch nicht hin. Dafür liebe ich das, was ich mache und den Kontakt zu Menschen viel zu sehr. Von mir aus begnüge ich mich aber mit der virtuellen Form. Ich habe die FaceTime-Fotogeschichten wochenlang mitverfolgt. In anderen Ländern wurde der Trend stark vorangetrieben. Cindy Crawford hatte ihr erstes FaceTime-Shooting sowie au Gigi Hadid, die für das Projekt «Safe + Sound» von Willy Wandeperre fotografiert wurde. Sie ist definitiv der Star der Stunde dieser neuen Art von Fotografie.


Ich bin ja eigentlich nicht so der FaceTime-Fan (WhatsApp-Calls mag ich lieber), aber was soll ich sagen... Ich bin begeistert. Es hat mich vermutlich so angesteckt, wie den italienischen Fotografen Alessio Albi, der diese Art der Fotografie innert kurzer Zeit zu seinem Markenzeichen gemacht hat. Dass es bei mir einen identischen Verlauf nimmt, bezweifle ich, da wir uns in der Lockerungsphase befinden. Ich kann aber mit Sicherheit sagen, dass ich weitere Sessions einplane und auf diese Weise den internationalen Touch beibehalte - ohne gross zu reisen.


Kritische Stimmen werden sagen, dass es mit einem solch' tollen Model wie Franziska Dittmann alles andere als schwierig ist. Derselben Diskussion war auch Alessio auf einem seiner Instagram-Posts ausgeliefert. Natürlich trägt das Model beziehungsweise das Gegenüber einen wichtigen Teil bei. Es ist nichts anderes als gute Teamarbeit. Und ja, es mag manchmal «einfacher» sein, Menschen abzulichten, die schon Erfahrung haben oder einfach gerne vor der Kamera stehen, gerade wenn man sich kreativ austoben möchte. Doch das Endresultat hängt nicht mit dem Aussehen oder dem Talent des Gegenübers zusammen. Es geht um die «Connection», ein unsichtbares Band, das Fotograf und das Gegenüber miteinander verbindet.


Ich sehe täglich Bilder, die mit einer guten bis sehr guten Kamera gemacht werden. Jeder, der Bilder eindringlich betrachtet, kann ziemlich schnell herauslesen, ob eine Connection besteht oder nicht. Der Ausdruck in den Augen und um den Mund herum sagt alles. Dies beweist mir, dass die Technik viel weniger wichtig ist, als man meint. Es geht um das, was unsichtbar ist. Dinge, die wir nicht wirklich rational erklären können. Sei es die Sympathie/Antipathie, das Verstehen/Missverstehen des Gegenübers und viele weitere Punkte.


Ein/e Fotograf/in ist dann gut, wenn der Kern, die wahre Schönheit und die Charaktertiefe von jedem einzelnen Menschen hervorholen und ablichten kann. Innert wenigen Sekunden. Das Aussehen spielt dabei keine Rolle. Es ist unwichtig. Klappt es bei mir zu jedem Zeitpunkt und bei jeder Person? Nein. Perfekt ist man nie und wenn es auch nach vielen Minuten nicht passt, wird es schnell sehr schwierig. Das Einzige, was ich da mache ist das: Ich arbeite täglich an meiner Sozialkompetenz. Der Schlüssel zu allem. Je ausgereifter diese Kompetenz ist, desto besser werde ich.


In den FaceTime-Shootings kommen verschiedene Dinge zusammen. Perfektion kann man vergessen, denn man muss sich an das Neue gewöhnen. Nach den ersten paar Einstellungen werden die Resultate besser. Es gibt technische Herausforderungen und Grenzen, die man akzeptieren muss. Auch hier ist die Connection das Wichtigste. Die örtliche Entfernung macht die Distanz zwischen zwei Menschen noch viel grösser als sie sonst schon wäre. Dass es mit Franziska auf Anhieb «gematched» hat, kann man sehen.


Ist der Trend gekommen, um zu bleiben? Auf diese Frage habe ich (noch) keine Antwort. Dass die Qualität nicht zu 100% mit einer hochauflösenden Kamera übereinstimmt, ist klar. Jedoch aber sind die Resultate erfreulich und es wird sich zeigen, ob gewisse Projekte auch in Zukunft auf diese Weise umgesetzt werden – die Kosten können so natürlich erheblich eingespart werden...


Happy Day,

Diana


+41 (0) 79 677 29 76

Diana Kottmann | Photography & Film
Zurich, Switzerland

©2020 dianakottmann.com

Impressum/Datenschutz