• Diana Kottmann

Ein Liebesbrief

Liebe Mamas,


Ich bewundere euch. Von ganzem Herzen. Nicht nur dafür, dass ihr uns ein Leben geschenkt habt. Nein. Ich schätze euer gesamtes Wesen. Das Gesamtpaket an Fähigkeiten, das ihr mitbringt, wird viel zu oft unterschätzt. Eine optimale Kombination zwischen guter (und auch strenger) Erziehung, bester Freundin, zufriedener Berufstätigen, Psychologin und Hausfrau zu finden, erscheint mir in keinster Weise einfach zu sein. Es spielt dabei keine Rolle, ob ihr ein Kind habt oder mehrere, die Erziehung alleine stemmt oder mit eurem Mann, das Kind gesund sein darf oder nicht. Ich zolle jeder von euch da draussen meinen grössten Respekt. Alleine die Tatsache, ein Kind auf die Welt zu bringen und diesem mit bestem Wissen und Gewissen wichtige Tugenden wie Ehrlichkeit, Empathie, Beharrlichkeit, Eigenverantwortung, Mut und Dankbarkeit mit auf den Weg zu geben, ist für mich Grund genug euch zu bewundern.


Wir kennen diese Aussage: «Kleine Kinder, kleine Sorgen; grosse Kinder, grosse Sorgen.» Ich kann dieser Aussage anhand meinen eigenen Erfahrungen zustimmen. Die Komplexität und die emotionale Tiefe der Probleme und Herausforderungen scheinen immer weiter zu wachsen. Ob sich diese auf das Berufsleben, das private Umfeld oder isoliert gesehen auf die psychischen Belastungen beziehen – ein Ende ist nicht in Sicht. So wie ich euch aber beobachte, scheint ihr da locker mitzuwachsen, jede Situation anzunehmen und das Beste daraus zu machen.


Wenn ich mich als Beispiel nehme: Das vergangene Jahr füllte sich abwechslungsweise mit schmerzhaften Erfahrungen und den bitteren Erkenntnissen, die sich daraus ergaben. Meine Mama hat sich alle Szenarien unendlich viele Male angehört. Mit der Wimper hat sie dabei kaum gezuckt. Sie musste nur ab und zu den Raum verlassen, wenn ich die Tränen nicht zurückhalten konnte. Dies kann sie auch heute nicht mitansehen. Ich kann dies nachvollziehen. Zu sehen, wie das eigene Kind leidet, muss enorm schmerzhaft sein. Trotzdem hat sie nie etwas in Abrede gestellt. Nur wenn ich versuchte, die alleinige Schuld bei mir zu suchen oder das Verhalten der involvierten Personen zu beschönigen. Sie kritisiert mich öfters und weist mich auf die Fehler hin – genau das schätze ich an unserer Mutter-Tochter-Beziehung.


All diese Gespräche liefen parallel zu ihren eigenen Sorgen. Dies vergessen wir Kinder oftmals. Nur weil ihr immer da seid und unendlich lange zuhören könnt, heisst dies nicht, dass ihr keine eigenen Probleme habt. Sei es das Älterwerden, finanzielle Herausforderungen, Beziehungsprobleme – auch hier findet sich kein Ende. Ich finde es äusserst wichtig, dass wir euch nicht nur an dem einen Sonntag im Jahr wertschätzen, sondern das ganze Jahr hindurch. Ihr stemmt zum Teil eine ganze Familie, ohne dass dies jemandem bewusst ist und vergisst dabei oftmals euer eigenes Wohlergehen.


Zum Schluss noch eine Bemerkung: Ihr dürft Schwäche zeigen. Auch vor unseren Augen. Wir können damit umgehen. Wenn nicht, weinen wir eben mit. Oder wir werden böse. Dies kommt leider auch vor. In der Regel wollen wir aber dasselbe wie ihr: Euch (be)schützen.


Denn... Ihr seid und bleibt unsere Wonder Woman.


Seid stolz auf euch!


Alles Liebe,

Diana



+41 (0) 79 677 29 76

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