Couchgeflüster #27 - Tessy Antony de Nassau

Tessy Antony de Nassau (ehemals Prinzessin Tessy von Luxemburg) ist Mutter, Unternehmerin, Philanthropin, UNAids-Botschafterin, Speakerin, Aktivistin. Als Gründerin der «Finding Butterflies Consultancy» unterstützt sie Regierungen, Institutionen und Wirtschaftsleute bei Bildungskampagnen, Nachhaltigkeitsprojekten. Mit ihrer Hilfsorganisation «Professors without Borders» bringen sie Pädagogen und Experten zu den Studenten weltweit, um Talente zu fördern.


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Tessy Antony de Nassau, Unternehmerin, Botschafterin, Philanthropin

Guten Morgen Tessy, wie geht es dir?

Mir geht es den Umständen entsprechend gut. Für uns alle sind es im Moment schwierige Zeiten, weil wir nicht wissen, wie es weitergeht. Wenn es meiner kleinen Familie gesundheitlich gut geht, ist aber alles in Ordnung. Dann halten wir die Positivität aufrecht.


Was bereitet dir Freude?

Etwas zurückzugeben. Einfach für jemanden da sein - so gut, wie ich kann und mit den Mitteln, die ich zu diesem Zeitpunkt habe. Zu sehen, was die Dinge, die ich mache, für einen Unterschied bewirken, ist wunderschön. Gerade die in unseren Augen kleinsten Aufmerksamkeiten können etwas Grosses bewirken.


Gibst du diese Freude deinen Kindern weiter?

Natürlich. Es ist wichtig, dass man füreinander da ist. Auch wenn man nicht die ganze Welt kennt. Wenn jemand Hilfe braucht und man dies erkennt, darf und soll man schauen, wie man helfen kann. Und dabei rede ich nicht unbedingt von Geld. Charity heisst für mich nicht nur Geld geben. Es heisst zuhören, Zeit haben und geben, für jemanden da sein. All diese Dinge sind sehr wichtig. Es ist wie ein grosses Puzzle. Wir alle haben ein Puzzlestück in der Hand. Wenn nun jeder sein Stück einbringt, ob Zeit, diverse Skills, sich für jemanden oder eine Sache einsetzen oder auch Geld - dann wird das Puzzle vollständig. Nicht jeder hat Zeit, nicht jeder hat Geld. Wo will ich helfen? Was kann ich? Das ist für jeden unterschiedlich und ganz persönlich. Diese Werte gebe ich auch meinen Kindern weiter. Damit sie wissen, dass jeder von uns auf die eigene Art und Weise helfen kann.


Du hast dein eigenes Modelabel «Human Highness» gegründet. Was steckt dahinter?

Ich habe mir schon immer gewünscht, ein eigenes Kleiderlabel zu haben. Aber es sollte nicht einfach irgendeins sein. Die Identifikation mit den eigenen Werten war und ist mir sehr wichtig. Die Kleider werden nachhaltig, organic und auf Anfrage in Estland produziert. Meine Geschäftspartnerin Milli Maier wohnt dort und organisiert die Abläufe. Unsere Capes werden momentan von ihrer Grossmutter handgeschneidert. Momentan ist alles von Frauen für Frauen - auch wenn wir Kleidungsstücke für Männer und Kinder in Zukunft nicht ausschliessen. Zurzeit geht es darum, die Stärke der Frau noch stärker zu machen. Wenn man ein Cape trägt, fühlt man sich einfach anders, als wenn man nur eine normale Jacke trägt. Ein Cape geht über die Schultern, hat ein gewisses Gewicht und damit verändert sich auch die Körperhaltung automatisch. Im nächsten Schritt werde ich mit dem Label in die Schweiz kommen.


Deine Firma heisst «Finding Butterflies Consulting» - warum Schmetterling?

Viele Leute haben mich nach meiner Scheidung stets «Princess Butterfly» genannt und mir solche Schmetterling-Figuren gesandt. Das war äusserst interessant und ich schätzte dies sehr. Es war dann so, dass ein Freund von mir ein paar Domains erworben hatte - darunter auch «findingbutterflies.com». So kam eins zum anderen. Beim Schmetterling ist es ja so, dass sie die Schönheit ihrer eigenen Flügel nicht sehen können. Dasselbe ist es beim Thema Consulting. Wir arbeiten mit Firmen, die eine Dienstleistung, Skills von uns brauchen, für etwas, das sie nicht erfassen können. Das ist die Analogie dahinter.


Du hast einen M.Sc in International Studies & Diplomacy, einen Ehrendoktortitel für deine Arbeit in globaler Bildung und bist an deinem PhD in Alternative Medicine. Warst du schon immer wissbegierig?

Ich denke schon. Denn der Tag, an dem wir nicht mehr lernen, ist der Tag, an dem wir sterben. Da draussen ist so viel, gerade auch in der jetzigen Zeit. Wenn irgendetwas Gutes dabei herauskam, ist es die Tatsache, dass es so viele Angebote online gibt, bei denen man neue Dinge lernen kann. Wenn man möchte. Ich finde es einfach toll, Neues zu lernen und das dann auch anzuwenden auf meine Arbeit, für die verschiedenen Organisationen mit denen ich arbeite oder sie vertrete,


In einem Interview sagtest du, dass jede Frau «royal at heart» ist. Unabhängig davon, wen sie heiratet oder welchen Namen sie trägt. Was bedeutet dies in deinen Augen?

«Royal at heart» bedeutet für mich, ein Rolemodel zu sein. Du hast dann ein königliches Herz, wenn du ein wirklicher Leader bist. Jemand, der ein Leader im Herzen ist, der mit dem Herzen führt und für andere da ist, ohne etwas zu erwarten. Einfach weil es gut tut und gut ist, weil es anderen Menschen hilft. Wir Frauen machen dies oft. Wir geben viel, damit die Leute um uns sich wohl fühlen. Wichtig ist, dass ich Männer in keiner Art und Weise ausschliesse. Ich denke einfach, dass wir Frauen so ein Geschenk erhalten haben. Dass wir Leben geben können. Wir haben diese Empathie, das angeborene Mütterliche, nach anderen zu schauen und auch diese Eleganz. Jede Frau hat das Potential, das Beste aus sich rauszubringen. Wenn sie möchte natürlich.


Du warst mehrere Jahre in der Armee – was waren deine grössten Learnings aus dieser Zeit?

Dass Frauen genauso gut in der Armee bestehen und sich entfalten können wie Männer. Vorurteile besagen, dass dies nicht geht. Ich finde es jedoch sehr wichtig, dass wir Frauen in der Armee, in den Armed Forces, in der Polizei haben. Die Jahre haben mir extrem viel über mich selbst gezeigt, wie ich bin, meine Stärken, meine Schwächen. Es hat mir den Weg geebnet bis heute. Wenn ich in der Armee bestehen kann, können dies andere Frauen auch. Das ist nicht, weil ich ein Supermensch bin. Ich war auch sehr jung, aber ich wollte es. Dann geht es auch.


Welche Werte sind dir wichtig?

Ehrlich zu sein. Mit sich selbst und dem Gegenüber. Dass wir mit Integrität unser Leben führen. Klar, wir alle machen Fehler und dazu kann man auch stehen. Das sehe ich nicht als Problem. Doch wenn mir jemand ins Gesicht lügt, das sehe ich nicht gerne. Ich finde, wenn man Respekt vor Mitmenschen hat, Integrität und Authentizität an den Tag legt, dann kommt der Rest von ganz alleine. Und natürlich: Be kind. Freundlichkeit ist unabdingbar. Nicht über Leute herfallen, sondern sie mit Liebe betrachten. Denn das, was man sieht, ist oftmals nur eine Seite der Medaille.


Das Thema «Mental Health» ist heute an der Tagesordnung. Wie bleibst du selbst mental gesund und welche Tipps gibst du weiter?

Diese Zeit ist für mich und die Kinder schwierig. Meine Grossmutter habe ich seit einem Jahr nicht gesehen. Ich habe viel Arbeit verloren. Das zehrt natürlich an den Nerven. Man weiss nie, was ist. Mein Vater ist beinahe an Corona gestorben, andere in meinem Umfeld haben es nicht geschafft. Was mir immer geholfen hat und noch immer hilft ist Meditation, Tapping und darüber zu reden. Wenn ich mich ängstlich fühle, es mir nicht gut geht, telefoniere ich mit meiner Mama oder Freundin. Man ist nicht alleine. Es gibt Organisationen. Man ist nie ganz alleine. Wenn man etwas braucht, darf man fragen. Das ist so wichtig. Wenn man sich nicht gut fühlt, darf und soll man sich Hilfe suchen.