Couchgeflüster #23 - Racha Fajjari

Racha Fajjari (www.rachafajjari.ch) ist eine erfolgreiche Unternehmerin. Das grösste Netzwerk für Mamas «Mamalicious» zählt mittlerweile über 70'000 Mitglieder. Seit ein paar Monaten ist sie zum zweiten Mal Mami und geniesst die Zeit mit ihrer Familie in vollen Zügen. Als Energie- und Manifestationscoach unterstützt sie zudem Menschen auf ihrem Weg zum Ziel in Form von Gruppen- und Paarcoachings, sowie Online-Kursen.



Du bist Energy Management Coach. Worum geht es da?

Es geht es darum, wie du mit deiner Energie umgehst. Klar, Energie ist immer vorhanden. Aber: Man muss sie pflegen, oder eben Tag für Tag managen. Dazu gibt es unterschiedliche Ansätze. Zeit in der Natur, Yoga, Meditation, Klangtherapie, Farbtherapie, gesunde Ernährung. Auch die aus der TCM entstandenen Therapieformen wie Akupunktur, Osteopathie, Akupressur sind toll. Und natürlich unser eigenes Gedankengut.


Warum unsere Gedanken?

Die Kontrolle über die eigenen Gedanken ist deswegen von hoher Wichtigkeit, weil die positiven Gedanken auch Medizin für den Energiefluss sind. Fachlich ausgedrückt, kommt auch die gesamte Chakra-Thematik dazu. Ich nenne dies unsere Energiezentren, weil es sich irgendwie schöner und für unsere Sprache gewandter anhört. Man findet zahlreiche Literatur dazu, wie man diese Energiezentren pflegt und was man dafür machen kann, dass die eigene Energie und die Energie um sich herum wie Medizin auf den Körper wirkt. Wenn dies der Fall ist, wird die Selbstheilung aktiviert und der nötige Schutz gewährt. Ich sehe dies gerne als ein zweites Immunsystem. Bei unserem Immunsystem müssen wir Dinge tun, damit es hält. So ist es auch in der Energie. Deshalb nenne ich es Energy Medicine.


«Ich bin, was ich denke» - stimmst du dieser Aussage zu?

Definitiv – wir sind, was wir denken. Oder anders gesagt: Wir sind dafür verantwortlich, was wir sehen, weil das, was wir sehen, ist das, was wir denken. Das heisst, wenn ich mich selbst nicht liebe, dann werden mir andere im Aussen diese Liebe auch nicht zurückgeben können. Wenn ich aber die Liebe mir und den anderen gegenüber lebe, so kommt dies alles zurück. Alles steht in Resonanz zueinander. Das, was wir denken, resoniert und manifestiert sich in Windeseile in unserem Leben. Ich bin selbst für die nächste Minute, Stunde und für morgen verantwortlich. Ich habe in der Hand, mein Denken zu ändern. Zum Guten und zum Schlechten.


Wie gehst du mit Schicksalsschlägen um?

Schicksalsschläge sind für mich nicht mehr so negativ behaftet wie früher. Nach meinem ersten grossen Schicksalsschlag hatte ich grosse Mühe mit dem Leben. Ich musste viel dafür machen, dass es mir wieder gut geht. Über die Jahre konnte ich wachsen und mich weiterentwickeln. Deshalb nenne ich die tragischen Dinge, die passieren, nicht mehr Schicksalsschläge, sondern Lektionen. Sie können schwieriger oder einfacher sein, aber sie sind in jedem Fall sehr lehrreich. Man kann immer daraus ernten, auch wenn man dies in dem Moment weder sehen noch verstehen kann. Aber genau darum geht es. Ganz tief zu gehen und zu verstehen, warum Etwas passiert ist und diese Energie ins Positive zu drehen. Statt sich zu bemitleiden (was immer passieren kann und darf) und zu fragen, «Warum ich?», sollte man einen Schritt zurückgehen und sich fragen, was man daraus lernen kann. Wenn man diese Hürde schafft, dann ist ein Schicksalsschlag nicht mehr ganz so negativ.


Welche Ängste nimmst du bei dir wahr?

Schwierig zu sagen. Ehrlich gesagt, keine. Ich bin aber schon seit meiner Kindheit extrem furchtlos. Ich habe keine Angst vor Fehlern. Das ist vermutlich das Wichtigste. Denn ich weiss, dass ich daraus lernen werde. Wenn ich mich verrenne, brauchte es eben diesen Umweg. Wenn ich aber trotzdem eine Form von Angst identifiziere, dann reflektiere ich diesen Gedanken und frage mich «Warum?». Meistens findet man in dieser Reflexion heraus, dass es eine Illusion ist, die sich im Kopf abspielt. Dann nehme ich mein Herz dazu, das daran glaubt, dass alles gut kommt. Die Angst verschwindet.


Jay Shetty, Social Media Star und Gründer des weltweit #1 Gesundheit und Wellness Podcasts «On Purpose» sagt: «Think Like a Monk». Das Gegenteil von «Think Like A Monkey». Warum kann dies eine Herausforderung sein?

Viele Menschen denken immer noch, dass Gedanken einfach nur Gedanken sind und uns als Mensch definieren. Das Monkey Mind ist verbreitet und es wird nicht negativ gewertet, wenn man das Monk Mind nicht kennt. Man versteht den Unterschied erst, wenn einem beides bewusst ist. Auch hier führt es direkt zur Reflexion. Man muss die Gedanken annehmen und sich damit auseinandersetzen. Dies braucht Zeit, die man sich nehmen muss – insbesondere für sich selbst. Für das Monkey Mind gibt es keine Gründe. Es ist laut, ängstlich, überlastet.


Racha Fajjari, Gründerin Mamalicious, Coach und zweifache Mutter

Warum flüchten so viele vor den eigenen Gedanken und reflektieren lieber gar nicht?

Ich kann mir vorstellen, dass es pure Angst ist. Angst davor, dass da noch eine andere Welt existiert, in der man tatsächlich Selbstverantwortung übernehmen muss. Natürlich, es ist sehr bequem, wenn man immer alles auf andere schieben kann oder in jedem Moment in die Opferrolle schlüpft. Man erhält dann auch Hilfe und Mitleid von aussen, wenn man das Umfeld dazu hat. Doch nur Mitgefühl ist wichtig, denn Mitleid hat eine Energie, die nicht fördernd ist.


Du bist im April zum zweiten Mal Mama geworden. «Mamalicious», das grösste Mamanetzwerk, hast du vor zehn Jahren gegründet. Wie ist dies entstanden?

In meiner ersten Schwangerschaft habe ich bemerkt, dass alle alles immer besser wissen. Das liebe Belehren. Es ist durchaus nett gemeint, führt aber oftmals am Ziel vorbei. Ich blätterte durch die ersten Ratgeber und konnte nicht verstehen, warum viele über das Thema schreiben, die selbst gar keine Kinder haben. Es ging nur um die Wiedergabe von Statistiken und psychologischen Abläufen. Viel wertvoller ist doch das individuelle Feedback einer Frau, die wirklich Mutter ist. Meine Stiefmutter hat drei Kinder erzogen. Wenn ich sie frage, wie sie uns am Leben gehalten hat, kann sie mir eine kompetente Antwort geben. Eine andere Mutter antwortet anders. Da ist es toll, wenn man auf verschiedenste Meinungen, Ansichten und Erlebnisberichte zurückgreifen kann. Auf Facebook gründete ich eine Gruppe und suchte ein paar Mamis. Heute sind wir 70'000 – wir beraten und unterstützen uns gegenseitig. Es ist ein wunderbares Gefühl zu sehen, dass es so viele Ansichten gibt. Man kann sich das herausnehmen, das für einen selbst stimmt und resoniert. Es soll allen bewusst werden, dass es sein darf, wie es ist. Es gibt kein Richtig oder Falsch, keinen Leitfaden, der für jede Mama stimmt.


Was bedeutet Spiritualität für dich?

Spiritualität ist für mich wie die Nase von einem Spürhund oder die Augen eines Adlers. Es handelt sich um eine natürliche Funktion von uns Menschen, die wir ein Stück weit verloren haben. Wir dürfen sie wiederfinden und leben. Ohne zu werten.


Wann hast du damit begonnen, Spiritualität zu leben?

Bei mir begann es mit der ersten Geburt. Mit der Transformation. Mutter zu werden, ist ein spiritueller Prozess. Ich glaube, wir Frauen haben des Öfteren den Hang dazu, weil die emotionale Seite ausgeprägter ist. Es ist aber auch oft so, dass die schwierigsten Situationen im Leben zur eigenen Spiritualität führen. In solchen Situationen musst du dich mit dir selbst beschäftigen. Ohne die Spiritualität hätte ich dies nicht geschafft. Sie hat meinem Leben gedient und ich würde sie nie missen wollen. Auch hier zum Thema Schicksalsschlag: Ohne den Schicksalsschlag, wäre ich gar nie auf den Weg gekommen und ich wäre nicht so glücklich und zufrieden wie ich es heute bin. Alles hat einen Sinn. Ich wünsche allen Menschen, dass sie ihre eigene Spiritualität finden und diese leben können. Denn es ist schade, wenn nicht.


Wie gehst du mit Menschen um, die alles als «Esoterik» abstempeln und ablehnen?

Grundsätzlich haben wir alle unsere Theorie und einen Wissensstand, den wir als das ansehen, das zählt. Für mich zählt dies alles zum Bereich «Ego». Das, was wir glauben, das verteidigen wir. Es ist unsere eigene Wahrheit. Das hat mit dem Wissensstand zu tun, aber auch mit der Fähigkeit, über das Greifbare hinaus zu denken und zu glauben. Man darf Dingen Glauben schenken, die nicht greifbar sind. Es gibt schliesslich immer einen Gegenpol. Wenn es Materielles gibt, warum sollte es nicht Immaterielles geben? Wenn es Irdisches gibt, warum sollte es nicht Ausserirdisches geben? Wenn es das Sichtbare gibt, warum sollte es nicht Unsichtbares geben? Das ist auch das grosse Problem beim Thema Energie.


In wiefern?

Es ist für viele Humbug, weil es nicht greifbar ist. Alles, was der Verstand nicht greifen kann, wird demzufolge ignoriert und abgelehnt. Da kann ich zwar nichts machen, werte es jedoch nicht. Es ist einfach schade, weil man auf diese Weise so viel im Leben verpasst. Es ist deshalb das grosse Ziel, dass man den Verstand mit dem Herzen verbinden kann. Der Verstand ist sehr wichtig. Ohne ihn würden wir weder Miete zahlen, noch ein stabiles Leben aufbauen. Das ist auch nicht das Wahre. Wir können aber alle Facetten leben – Seele, Verstand, Herz und was sonst noch in uns steckt, nutzen. Der holistische Ansatz.


Wie bleibst du trotz der momentanen Krise bei dir und positiv?

Indem ich keine Nachrichten lese. Das war in dieser Zeit das Wichtigste für mich. Ich konzentriere mich auf meine Familie und mich. Man sollte ja sowieso so wenig Kontakt wie möglich nach aussen haben. Schön Zuhause bleiben. Das habe ich so gemacht. Es passte auch perfekt, da ich in dieser Zeit mein zweites Kind zur Welt brachte. Diese Ruhe habe ich so oder so gebraucht. Entschleunigung empfinde ich als ausgebildete Entspannungstrainerin als Segen für sehr viele Menschen. Da kommen wir zurück auf das Thema Schicksalsschlag. Die Einen hat es sehr stark getroffen, die anderen weniger. Eine Regel gibt es nicht. Das Leben versteht man immer nur rückwärts. Ich denke, die Balance ist das Wichtigste. Es verstecken sich auch immer Chancen, die man erkennen muss und annehmen darf. Man kann sich aussuchen, ob man immer nur das Negative, das Positive oder eine gesunde Mischung sehen will. Das ist reine Ansichtssache, eine Frage der Perspektive.


Wann bist du glücklich und zufrieden?

Dies ist mein Naturell. Dafür sorge ich. Und wenn ich nicht glücklich bin, setze ich mich mit den Themen auseinander, die mich belasten und löse sie. Wenn die Probleme oder Belastungen nicht zu lösen sind, finde ich mich damit ab. Ich lasse sie los, im Vertrauen darauf, dass trotzdem alles gut kommt.


Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. 

- Antoine de Saint-Exupéry

Als freischaffende Fotografin und Videografin in den Bereichen People, Events und Werbung lebe ich dieses Mindset mit jedem Klicken des Auslösers aus.

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