• Diana Kottmann

Couchgeflüster #3 – Manuela Frey

Manuela Frey – man kennt sie als Model, das zwischen Europa und New York City hin- und herjettet oder als Modelmami aus «Switzerland’s Next Topmodel». Was für eine Frau! Eine wirklich schöne Bereicherung, wenn man ihr begegnet. Manuela zeigt eine Tiefgründigkeit, die man ihr auf Anhieb nicht zugetraut hätte. Das Vorurteil, dass gutaussehende Frauen beziehungsweise Models arrogant sind, kann man bei ihr revidieren. Sie wirkt auf den Modelbildern unnahbar, aber dies ist ihr Job. Sobald sie den Raum betritt, nimmt man Authentizität, Offenheit, Sympathie und eine gesunde Portion Humor wahr.


Wie ist der Stand der Dinge bei dir in New York?

Ich hätte in die Schweiz zurückfliegen können. Aber die Sache ist die... Ich könnte bestimmt bis Anfang Sommer nicht nach NYC zurück und würde dadurch Jobs verlieren. Natürlich steht die Familie an erster Stelle, aber ich habe hier auch viele Kontakte und ein schönes Apartment.


Es gibt ja glücklicherweise Facetime.

Genau. So funktioniert das gut. Ab und zu gehe ich mit einem guten Freund von mir spazieren, damit ich mal aus den vier Wänden rauskomme. Es ist einfach schön, jemanden wirklich „live“zu sehen.

Ich schreibe mir auch immer einen Tagesablauf. Denn ich möchte diese Zeit positiv nutzen und Dinge erledigen, die ich schon lange machen wollte, wie Zeichnen oder Gitarre lernen. Da das Gym geschlossen ist, betreibe ich Sport, indem ich jeweils in den 34. Stock hoch- und runterrenne. Ich denke auch oft über Dinge nach, wofür ich sonst nie gross Zeit habe. Was möchte ich in meinem Leben verändern, was bringt mich weiter, was tut mir gut, welche Freunde möchte ich noch, welche nicht...


An diesem Punkt bin ich auch. Es ist die Einladung des Lebens, alles zu reflektieren.

Das sehe ich auch so. Jetzt ist genau die Zeit, Dinge zu hinterfragen und auch Fehler einzusehen. Trotz der schlimmen Lage versuche ich das Positive daraus zu gewinnen. Ich finde es auch nicht toll, tagelang alleine in meiner Wohnung zu sitzen. Ich bin ein geselliger Mensch und brauche den Kontakt zu Menschen wie die Luft zum Atmen. Ich liebe meine Arbeit. Ändern kann ich die Situation aber nicht. Ich denke, dass wir nach dieser Krise jeden Moment umso mehr zu schätzen wissen.


Du wirkst viel reifer als deine 23 Jahre. Warst du schon immer so?

Meine Mama sagt, ich sei als Kind schon so gewesen. Ich wollte mit zweieinhalb Jahren lernen, wie man die Schuhe bindet. Sie hat mir dies gezeigt, die Schuhe wieder versorgt und mich spielen lassen. Als sie dann ins Wohnzimmer kam, sah sie, dass ich die Schuhe wieder rausgeholt hatte und weiterübte. Mit 16 Jahren zog ich nach New York. Mama wollte mich anfangs begleiten. Meine innere Stimme sagte mir aber schon damals, dass ich dies alleine durchziehen muss. Sie liess mich gehen, wohl auch nur deshalb, weil sie wusste, dass ich stark genug war.



Hattest du überhaupt keine Angst vor diesem grossen Schritt?

Nicht wirklich, nein. Ich war schon immer sehr diszipliniert, ehrgeizig und selbstbewusst. Wenn ich etwas unbändig will, ziehe ich mein Ding mit allen Konsequenzen durch. Ich ging auch nie gross auf Partys. Mein Alltag war knallhart strukturiert: Aufstehen, Sport, Castings, Sport, Essen, Schlafen. Als ich 18 wurde, meinte meine Bookerin zu mir: «Manuela, you have to become a bitch. You’re too nice, too focused. You need the right mix.» Diese Aussage erstaunte mich. Ich befolgte ihren Rat und ging ab diesem Zeitpunkt mehr unter die Leute. Ich erlebte Abenteuer pur und nahm viele Einladungen zu Partys an. In die Drogenszene rutschte ich nie. Davor hatte ich grossen Respekt. Ich kenne aber viele Kollegen, die abgestürzt sind und alles verloren haben, wirklich alles. Klar habe ich mal Zigaretten geraucht und einen Joint ausprobiert. Wer macht das nicht als Teenager, das wars aber auch schon. Dies ist definitiv nicht meine Welt!


Hat es dich nie gereizt?

Nein, absolut nicht. Ich habe mich gerne unter Kontrolle. Manchmal war es mühsam, da mich einige Leute immer überreden wollten. Ich war die Einzige, die nichts nahm und darauf bin ich stolz!


Ich stelle mir dies nicht einfach vor, wenn man sich in einem Umfeld bewegt, in dem Drogen an der Tagesordnung sind.

Ist es auch nicht. Ich bin aber nicht von meiner Familie weggegangen, habe die ersten zwei jahre gelitten und im Stillen oft geweint und für meinen Traum gekämpft, um «nur» so weit zu kommen. Und dann... Wieder nach Hause gehen? Ich wollte den Weg weitergehen und mein Ding durchziehen. Aus dem Grund bin ich jetzt auch hier in New York. Ich weiss, wie schnell man im Modelbusiness verliert. Alle warten, bis du umfällst, damit sie deinen Platz einnehmen können. Es ist ein Haifischbecken.


Wie sieht es bei dir aus bezüglich Ernährung und Diäten?

Ich habe drei Kolleginnen, die bereits keine Kinder mehr bekommen können, weil sie durch ihre Ernährungsweise magersüchtig wurden und ihren Körper zerstörten. So etwas prägt dich, wenn du es mitkriegst. Früher vor den Fashionweeks bevorzugte ich jeweils die Null-Diät. Seit meiner Ausbildung als Ernährungsberaterin esse ich einfach ausgewogen und gesund. Ich kenne meinen Körper und bin glücklich so. Nie mehr würde ich mich für Designer runter magern. Ich bin schlank, bekomme tolle Jobs und habe meine Stammkunden, die mich so lieben wie ich bin. Jetzt passt es, wie es ist.


Man sagt: Wenn du es in New York schaffst, dann schaffst du es überall. Ist dies wahr oder doch leicht übertrieben?

Es ist wirklich so. Gerade als Model. Wenn du hier gut arbeitest, dann kommst du überall durch. Wenn du nach Deutschland gehst und sagen kannst, dass du in New York gearbeitet hast, nehmen sie dich mit Handkuss.


Was unterscheidet dich von einem Model, das in der Schweiz in einer Agentur ist und ab und zu Jobs hat – das Talent, der Wille, das Aussehen oder die Marktsituation?

Es ist ein Mix. Der Look ist wichtig, aber es gibt Tausende verschiedene Models und viele verschiedene Jobs mit unterschiedlichem Niveau. Ich denke, es ist hauptsächlich der Wille. Jedes Schweizer Model, das wirklich modeln möchte, die Figur behält, Disziplin hat und sich nicht ablenken lässt, kann es schaffen. Das Problem ist aber gerade bei den Newcomern, dass sie 2-3 Monate fokussiert sind und dann schon das Gefühl haben, sie hätten es geschafft.



Woher kommt dein eiserner Wille?

Dieser ist mir wohl in die Wiege gelegt worden. Ich war schon als Kind so. Wenn ich etwas erreichen will, arbeite ich so lange daran, bis es klappt. Ich gebe nicht auf. In der Schweiz sagen viele, ich hätte es schon geschafft. Aber ich sage, nein. Ich bin noch lange nicht dort, wo ich sein möchte, da ich mich immer an Grössen wie Gisele Bündchen messe. Hier in NYC bin ich zwar schon lange dabei, aber trotzdem nicht eine der Besten. Das ist aber mein Ziel und ich kämpfe weiter. Wenn es dann doch nicht klappt, muss ich mir nie einen Vorwurf machen. Dann ist es eben so. Mein Leben kann ich mir gut finanzieren, ich bin unabhängig und glücklich, denn ich mache etwas, das mir Spass macht.


Welches Sternzeichen bist du?

Waage.


Wirklich? Das erstaunt mich aber.

Ich weiss, es passt nicht wirklich. Gerade im Job passt es überhaupt nicht, da wäre Löwe, Widder oder sonst eines dieser Sternzeichen logischer. Aber in Beziehungen bin ich eine typische Waage. Ich bin harmoniesüchtig, hasse Streit und Unehrlichkeit. Ausserdem bevorzuge ich immer zuerst andere und stelle mich hinten an. Daran muss ich arbeiten und härter werden. Ich bin oftmals zu lieb und will es immer allen recht machen. Oftmals sehen die Leute dann genau darin den Vorteil und nutzen die Situation aus.


Apropos Vorteil nutzen: Wie sieht es aus hinsichtlich Modeljobs und Instagram Follower? Man hört, dass diese oftmals nur noch anhand dieser Kennzahl vergeben werden.

Klar, es wird nicht mehr auf das Können eines Models geschaut, sondern auf die Anzahl Follower, wen du gerade datest, wer du bist, was du gemacht hast. Jetzt siehst du dasselbe auch mit TikTok, gerade in dieser Zeit boomt diese Plattform enorm. Ich benutze es auch deswegen, weil man die Welle mitreiten muss.


Wie lautet deine Einstellung zum Thema «#MeToo» im Modelbereich, gerade in New York?

Das Thema ist sehr vielschichtig und heikel. Mir persönlich ist dies noch nie passiert. Ich setze aber auch klare Grenzen. Wenn du als Model weisst, wer du bist und deinen Wert kennst, dann gehst du zum Job, übst diesen professionell aus und gehst wieder nach Hause. Ohne dass du mit dem Fotografen flirtest. Oftmals tun dies Models aber, weil sie sich erhoffen, dass der Fotograf sie noch zusätzlich berühmt oder aufs Cover bringen kann.


Zu einem anderen heiklen Thema: Beziehungen. Ist es schwierig, in deiner Situation einen passenden Partner zu finden?

Grundsätzlich nicht, denn ich sehe, wer es ernst meint und wer nicht. Wenn man mit dem Herzen liebt, ist alles zu bewältigen. Da fällt mir gerade ein guter Spruch ein: Wer will, findet einen Weg, wer nicht will, findet Gründe! Schwierig ist lediglich, dass es keine 0815-Beziehung sein wird – zumindest nicht im Moment. Ich bin nicht immer  in der Schweiz. Ich bin oft unterwegs. Da brauchst du einen sehr verständnisvollen Partner. Aber wenn man einander vertrauen kann, ist das alles kein Problem.


Wie sieht deine Zukunft aus – möchtest du noch mehr in Richtung Moderation gehen?

Sehr gerne. Je älter ich werde umso mehr. TV-Shows, Talk Shows, lustige Dinge, Challenges, oder eine andere TV-Show hosten – das alles reizt mich enorm. Ich bin sehr spontan und lerne nicht gerne Bücher auswendig.



Über Manuela Frey:

Den ersten internationalen Erfolg feierte Manuela Frey 2012 als Siegerin des «Elite Model Look Switzerland». Mit diesem Sieg qualifizierte sie sich für das Weltfinale von Elite Model Look in Shanghai. Sie belegte den dritten Platz. An den Fashion Weeks lief sie den Rekord von 70 Shows unter anderem für Dior, Valentino, Prada, Chanel und Dolce & Gabbana. Sie arbeitet als Model in New York und Europa und ist zudem der Host von «Switzerland's Next Topmodel».


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Diana Kottmann | Photography & Film
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