• Diana Kottmann

Couchgeflüster #16 - Joel Mattli

Ninja Warrior - eine TV-Show, die so richtig Spass macht. Auch wenn alles viel einfacher aussieht, als es in Wirklichkeit ist. Seit ich in meinem Training auf Eigengewicht-Einheiten, Seilspringen und Boxen setze, merke ich, wie viel dahintersteckt. Mittlerweile liegen drei saubere, langsame, enge Klimmzüge drin. Das ist noch nichts, aber... Diese geben mir so viel mehr als 100kg in einer Beinpresse. Wie es auf Profi-Niveau aussieht, verrät uns der Schweizer Überflieger und Ninja Warrior Germany Kandidat Joel Mattli (aktuelles Gesicht der UBS Helpetica Kampagne). Sein Auftritt folgt am Freitag, 23. Oktober 2020, 20.15 Uhr auf RTL.


Wie bist du zu Ninja Warrior gekommen?

Ich war schon immer polysportiv unterwegs. Fussball, Volleyball, Tennis, Laufen - alles bereitet mir Freude. Dann habe ich meine Leidenschaft für das Eigengewicht-Training gefunden. Ein Kumpel hat mich daraufhin auf Ninja Warrior aufmerksam gemacht. Dieser Sport kombiniert alles, was ich gern habe. Es geht um Vielseitigkeit, du brauchst Balance, Koordination, Griffkraft, Schnelligkeit, Sprungkraft, Ausdauer. Das A&O: Den eigenen Körper kennen. Ninja Warrior bietet mir die Möglichkeit, mich sportlich auf vielseitige Art und Weise auszutoben. Deshalb mache ich dies auch noch möglichst lange.


Was ist das Schwierigste in der Show?

Die Herausforderung besteht darin, dass du so ablieferst, wie du trainiert hast. Beziehungsweise so wie du es sonst kannst - abseits von der Show. Du hast einen immens hohen Adrenalin-Faktor, den du im Training fast nicht erzeugen kannst. Dies macht mit deiner Luft, deinen Bewegungen, Dinge, die du im »normalen« Training nicht machen würdest. Du willst nicht herunterfallen. Wenn du dich also an einer Stange hältst, greifst du automatisch fester und wendest somit mehr Kraft auf. Dann werden aus 30 Klimmzügen plötzlich viel weniger. Man muss es trotz Adrenalin schaffen, nur die nötige Kraft aufzuwenden, nicht zu übersäuern.


Wie steht es mit Nervosität?

Ich bin vor dem Lauf nervös, aber es ist eine schöne Form der Nervosität. Ich liebe es richtig. Bereits Stunden und Tage vorher kann ich es kaum erwarten. Man trainiert lange dafür und dann ist es einfach soweit. Wenn der Anfangston erscheint, spüre ich nichts von aussen.


Ist es vorhersehbar, wer es schafft und wer nicht?

Manchmal, aber nicht immer. Athletik ist der wichtigste Faktor. Polysportiv, vielseitig, aktiv unterwegs; wenn man dies mitbringt, hat man gute Voraussetzungen. Ich glaube, dass das Gewicht eine Rolle spielt. Zumindest ab einem gewissen Punkt. Mit Willen und Kraft kommt man weit, auch mit 90 Kilogramm. Richtung Finale wird es aber meines Erachtens immer schwieriger. Denn mit mehr Gewicht gilt es auch mehr Kilos über dem Wasser zu halten. Unmöglich ist es nicht, aber es braucht eine Mischung aus Kraft und Muskeln. Dies kann aber auch ins Gegenteil ausschlagen. Du kannst auch zu leicht, zu fein sein. Dann hast du möglicherweise zu wenig Power, zu wenig Biss für die Hindernisse. Man muss mit voller Energie reingehen. Bei explosiven Hindernissen kann zu wenig Gewicht eine Herausforderung sein.

Welche Unterschiede siehst du zwischen Mann und Frau?

Sie haben eine Frauenregel eingeführt, die besagt, dass zwei Frauen pro Vorrunde weiterkommen. Oftmals wird diese Regel gar nicht gebraucht, da die Frauen schon qualifiziert sind. Dies ist schön zu sehen. Richtung Finale ist es dann schwierig. Letztes Jahr schafften es zwei sehr starke Frauen in das Finale – ohne zusätzliche Regelung. Man sieht, dass es auch für Frauen klappen kann, wenn man trainiert. Entgegen der Annahme, dass nur Männer weiterkommen. Klar... Wenn es um die Rekordgeschwindigkeit geht, dann ist der schnellste Mann besser als die schnellste Frau. Die Anatomie spielt halt doch auch eine Rolle. Die Wand am Schluss zum Beispiel ist in der Regel einfacher für uns Männer wegen der Explosivkraft. Es ist toll, dass alle zusammen starten; du bzw. dein Körper gegen den Parcours. Wie kannst du mit deinem Körper, deinem Gewicht umgehen? Dies hat nichts mit dem Geschlecht zu tun. Wenn ich im Gym bin und 100kg stemme, dann ja. Wenn es aber um Liegestütz und solche Übungen geht, haben beide eine faire Chance. Denn man muss sich mit dem eigenen Gewicht auseinandersetzen und die Kraft dahingehend aufbauen.


Wie läuft der Wettkampf ab?

Dieses Jahr sind es neu 6 Vorrunden à 60 Teilnehmer, zwei Halbfinale à 50 Teilnehmer, zwei Finalshows, aufgeteilt in 4 Stages. In jedem Parcours gibt es etwas, bei dem du rausfliegen kannst. Man denkt nie: Wow, da kann ich jetzt einfach durchrennen. Dieses Jahr hatte es in der Vorrunde 8 statt 6 Hindernisse. Und eine zusätzliche Belohnung: Die beiden Schnellsten können sich am Schluss für ein Preisgeld von 5000 € duellieren. Das heisst, jeder Athlet, und vorallem jeder, der schon mitgemacht hat, will auch noch schnell sein. Und einem ehrgeizigen Athlet wie mir kann sowas extrem im Kopf mitspielen. Denn du weisst, was du kannst, aber der Parcours ist perfekt danach ausgerichtet, dass jede Schwäche mit dem Sprung ins Wasser bestraft wird. Sprich, wenn du zu schnell bist oder ineffizient Kraft verbrauchst, kann es sehr schnell sehr kritisch werden.


Dann ist die mentale Stärke auch ein wichtiger Faktor...

Definitiv. Du musst wissen, was du kannst. Es ist schwierig, dies im Parcours zu steuern. Mentale Stärke ist ein grosser Anteil. Nur schon vom konzentrierten Start, ruhig zu bleiben, zu fokussieren, sich nicht von anderen Geräuschen ablenken zu lassen und dann schliesslich vom Abliefern im richtigen Moment. Man muss rasch umschalten, wenn etwas nicht so funktioniert, wie man dachte. Jede Bewegung braucht Kraft und Energie. Wenn du im Hindernis Panik schiebst, brauchst du noch mehr Kraft und dann fällst du. Oder sagen wir, du landest und merkst, dass du nicht mehr so viel Kraft hast. Du musst die Energie auf mentaler Ebene holen. Wenn du da einfach aufs Gute hoffst, bist du weg.


Es gibt Kandidaten, die viel Show rund um den Lauf machen mit Outfit, Schauspiel, Inszenierung etc. Wo siehst du die Grenze zwischen Entertainment, Selbstinszenierung und Übertreiben?

Ich finde, jeder kann so viel Show machen, wie er möchte - wenn man das Ganze beherrscht. Dann stört es auch niemanden. Doch das ist das Problem. Du kannst dir nie 100%ig sicher sein, dass du den Parcours schaffst. Wenn du voll ablieferst. dazu eine geile Show machst und dann den Buzzer drückst - toll! Es gibt manche, die laufen durch und machen zum Schluss noch einen Salto. Selbstinszenierung, aber krasse Leistung! Ich bin mega glücklich über die Show, dass es von Seiten der Moderatoren dramaturgisch nicht sehr gepusht wird. Klar, du hast immer einen Anteil an Show mit Vorgeschichte etc., aber bis jetzt finde ich es eine gesunde Balance. Der Hauptfokus liegt immer noch auf den Athleten und der sportlichen Leistung. Ich hätte keine Freude daran, wenn es sich zu einem «Trash-Format» entwickeln würde.


Wie inszenierst du dich?

Ich bin eher der, der dann beim Interview eine kleine Showeinlage macht. Während dem Parcours bin ich zu fokussiert. Sobald es für mich ins Lächerliche geht, ist es zu viel. Die Sendung gibt mir persönlich die Möglichkeit, Menschen durch den Sport zu motivieren und zu begeistern. Dazu kommt die positive Art, Sportlichkeit, Fairness, Kampfgeist, eiserner Wille. Dafür muss ich mich nicht verkleiden. Ich will mich selbst sein. Weil die Show perfekt ist für mich, kann ich dies auch ohne Probleme.


Wo liegen die Unterschiede zwischen den Shows in Deutschland, Amerika und der Schweiz?

Die Schweiz ist im zweiten Jahr, Deutschland im fünften, Amerika im zwölften. In Amerika hat es mittlerweile Leute, die mit zehn Jahren begonnen haben und heute alles abräumen. Es gibt von Jahr zu Jahr eine Steigerung. In der Schweiz war ich im ersten Jahr beispielsweise in 55 Sekunden durch. In Deutschland wäre es bei diesen 8 Hindernissen in diesem Jahr unmöglich gewesen. Jede Show entwickelt sich mit den Teilnehmern von Jahr zu Jahr.


Wie möchtest du das Ganze weiterführen?

Natürlich möchte ich gerne der erste Ninja Warrior Deutschlands werden. Aber auch sonst geht es neben meinem Masterstudiengang in Business Management an der HSG in Richtung Coaching bei Events, Jugendsport. Es ist schön, die Liebe zum Sport zu teilen, junge Leute mit Sport begeistern zu können, Auch von meinem ehemaligen Arbeitsgeber Swiss Life wurde ich wieder angefragt für ein Coaching, schon sehr schön.. Ich habe nicht vor, alles aufs Coaching zu setzen, aber nebenher ist dies eine super Sache.


Über Joel Mattli:

Der 26-jährige Joel Mattli erlangte durch seine Teilnahme bei Ninja Warrior Germany Bekanntheit. Neben Modelaufträgen und Buchungen als Sport-Coach für Firmenevents, absolviert er den Masterstudiengang Business Management an der HSG.


+41 (0) 79 677 29 76

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