Couchgeflüster #20 - Evelyn Ludwig

Evelyn Ludwig – die Art von Personal Trainer, die man sich in jedem Fitnesscenter nur wünschen kann. Ich kenne sie seit über einem Jahr und wir sind bei jedem Aufeinandertreffen im Austausch. Ob es um alltägliche Themen geht oder mein Wohlbefinden, Evelyn hört zu. Sport ist ihre Leidenschaft, ihr Wissen an ihre Klienten weiterzugeben ebenfalls. Ob es um klassische Krafttrainings-Programme, Ninja Warrior-Übungen oder dann ihr Spezialgebiet Beweglichkeit geht – sie ist immer zur Stelle.


Was gefällt dir am Sport?

Es ist die Möglichkeit sich zu bewegen, alles auszuprobieren, was einem gerade gefällt. Es gibt kein wirkliches Limit, denn die Vielfalt an Sport ist riesig. Neue Dinge zu entdecken, macht einfach Spass. Und nebenher immer wieder dazuzulernen, macht einen zufrieden. Über die Jahre die Veränderung des Körpers zu sehen, ist eindrücklich.

Wie findest du deine Mitte?

Mit Reflexion. Immer wieder dazulernen. Manchmal gibt es stressige Phasen, in denen man einfach nur performen muss, gerade auch in der Wettkampfphase. Dann muss man abliefern. Oftmals gibt es aber auch Momente, in denen es zu viel ist. Es ist wichtig zu wissen, wie man sich selbst wieder erdet und erholt. Wie schaffe ich es, Ruhe zu erhalten? Was fehlt mir gerade? Man muss eine Art Assessment für sich selbst machen. Dann kommt man auch wieder an einen guten, gesunden Punkt zurück. Und oftmals hilft es auch schon, Dinge einfach langsamer anzugehen und zu geniessen.


Wann wirst du unruhig?

Mich macht es nervös, wenn ich eine Sache nicht direkt einschätzen kann. Wenn es etwas ist, das du kennst, das du bereits gemacht hast, dann ist es einfacher. Wenn es aber sehr ungenau ist und ich dies nur mit Mühe einschätzen kann, werde ich nervös.

Welche Art von Training gibst du am liebsten?

Ich arbeite sehr gerne mit Verletzungen, weil man sehr schnell sehen kann, ob es jemandem besser geht. In dieser Art von Training gibt es die schnellsten Entwicklungsmöglichkeiten. Dann aber natürlich Mobility/Beweglichkeit. Die Leute fühlen sich dadurch meistens besser und kommen aus möglichen Fehlhaltungen heraus. Jetzt neu unterrichte ich auch Pilates bei Booster Transform. Das macht mir auch mega Spass. Ich denke, es ist der Mix aus allem.

Man liest immer wieder davon, dass 80% die Ernährung ausmacht und nur 20% das Training. Wie siehst du dies?

Klar, die Ernährung macht wahnsinnig viel aus. Wenn du aber über dein Leben hinweg immer viel Bewegung integrierst, ist dies ebenso ein sehr wichtiger Grundbaustein. Ich würde sagen, es ist auf eine Art eher 50/50. Ich kann die Ernährung nicht weglassen, das ist so. Aber ich glaube, wenn du dich nur gut ernährst, aber wenig bis keinen Sport machst, kommst du nicht an dasselbe Ziel.

Wie wird man beweglich?

Üben, üben, üben. Pro Tag empfehlen sich mindestens 5-10 Minuten in den Tagesablauf einzubauen und dabei wirklich in die Dehnungen reinzugehen. Es geht auch hier um die Regelmässigkeit. Es ist wichtig, dass es häufig genug passiert. Die Dauer ist nicht so wichtig. Das sagen auch die Studien. Kleine Sequenzen, aber täglich.

Welche Bedeutung hat Beweglichkeit für dich?

Es ist eine Grundfunktion des Körpers. Die Beweglichkeit kann dich sehr stark einschränken, wenn du unbeweglich bist. Auf der anderen Seite ist es so, dass eine zu starke Beweglichkeit dazu führen kann, dass man gewisse Bewegungen nicht richtig ausführen kann. Ich finde, man muss das Thema Beweglichkeit richtig in das Training einordnen und eine gute Balance finden.


Wie sieht dein persönliches Training aus?

Dies variiert immer sehr stark innerhalb eines Jahres. Worauf bereite ich mich vor? Letztes Jahr habe ich einen Triathlon gemacht und fokussierte während der Vorbereitungsphase auf Ausdauersport wie beispielsweise spezifisches Schwimmtraining. Wenn ich an Ninja Warrior denke, trainiere ich viel stärker Aspekte wie Griffkraft. Momentan trainiere ich etwas weniger und fokussiere mich auf mein Masterstudium Health Sciences und meine Kunden. Ich versuche aber mindestens dreimal die Woche zu trainieren. Dabei geht es bei mir in eine freie Richtung mit Mobility-Einheiten, klettern oder Übungen an den Ringen.

Warum fallen Übungen mit dem Eigengewicht wie Klimmzüge, Planks, Liegestützen Frauen schwerer als Männern?

Ich glaube, dass der Mann im Oberkörper schon von Natur aus mehr Kraft mitbringt. Deswegen ist es für die Frauen zu Beginn sehr schwierig, diese Grundkraft überhaupt aufzubauen. Es dauert alles um ein Vielfaches länger und man muss viel länger dranbleiben, um grosse Unterschiede zu bemerken. Ein Mann kriegt es in der Regel viel schneller hin, bedingt durch seine Anatomie und Muskulatur.


Welche Übungen würdest du jedem Einzelnen empfehlen?

Definitiv Übungen im Bereich Rumpf. Unterer Rücken, Bauchmuskulatur, Gesäss. Dieser Bereich, den du von vorne nach hinten durchziehen kannst, brauchst du in jeder Sportart. Er muss Kraft besitzen und stabil sein. Denn er ist essentiell um jegliche Bewegungen anzusteuern. Alleine die Körperspannung an sich kommt hauptsächlich aus dem Rumpf.

Wie gehst du mit jemandem um, der sich für Doping interessiert oder bereits Substanzen nutzt?

Wenn mir jemand davon erzählt, versuche ich ihn aufzuklären, abzuholen, meine Meinung dazu zu äussern. Wenn aber jemand bereits fest davon überzeugt ist, ist es schwierig bis unmöglich, einzugreifen. Wenn dies jemand wirklich möchte, ist es der Person und ihrer eigenen Gesundheit überlassen. Man muss sich in diesem Thema immer fragen: Welchen Benefit kriege ich dadurch? Bin ich beispielsweise Profisportler, gibt es mehrere Coaches und ein Team, das hinter mir steht und die Thematik anschaut. Im Breitensport macht Doping keinen Sinn, da es nur ums Aussehen und das Ego geht.