• Diana Kottmann

Couchgeflüster #9 – Corinne Ruf

Corinne – eine Frau mit Power für zwei Leute und einem Strahlen, das ihr Gesicht schmückt. Sport ist ihre grösste Leidenschaft. Ich hatte bereits das Vergnügen mit ihr zu trainieren. Deshalb kann ich mit gutem Gewissen behaupten, dass Corinnes Frohnatur einen dazu bringt, den eigenen Schweinehund zu überwinden. Und an sich und den eigenen Körper zu glauben.


Wann immer du lachst, lacht die Sonne aus dir heraus. Woher kommt diese Energie?

Schon als Kind war ich immer der Sonnenschein. Eine Zeit lang ging diese Eigenschaft dann aber verloren. Wie es wohl bei jedem mal der Fall ist. Doch ich denke, dass es gerade aufgrund dieser schwierigen Zeit noch viel stärker wirkt. Jeder hat dunkle und helle Seiten in sich. Wenn man es schafft, diese dunklen Seiten anzunehmen und etwas daraus zu machen, kann man noch stärker leuchten.


Worin liegt deine Passion?

Definitiv in etwas, das mit Bewegung und Sport zu tun hat. Ob es Wandern oder High Intense Training ist, spielt dabei nicht wirklich eine Rolle. Wenn ich mich bewege und dies auch noch an andere Menschen weitergeben kann, erfüllt mich das sehr.


Also bist du lieber Instruktor als Einzelsportler?

Nein, die Leidenschaft liegt in beidem. Ich mache gerne alleine Sport. Damit ich bin ich voll bei mir selbst. Viele machen Yoga. Für mich sind es verschiedene Sportarten, die mein Interesse wecken. Lange war es auch die perfekte Ablenkung. Man kann es natürlich immer ein wenig anders nutzen – je nach Lebenssituation. Wenn ich jetzt aber Bootcamps oder sonstige Kurse unterrichte und den Leuten meine Freude weitergeben kann, macht es mich noch glücklicher.


Apropos Bootcamp: Ich war noch nie in einem, weil ich denke, dass ich dafür zu wenig fit bin. Was muss ich als Teilnehmer mitbringen?

Viele haben Angst davor. So wie du. Sie denken, sie hätten zu wenig Kondition und Ausdauer und würden sich in irgendeiner Form blamieren. Es ist so, als ob man das Kind in sich verloren hat. Durch das Bootcamp kannst du dieses wiederfinden und aus dir herausholen. Man muss einfach mal mitmachen. Nur so testet man sich selbst und findet heraus, ob man es gern macht und ob man gut darin ist. Ein Wettbewerb ist es nicht, sondern nur ein Kennenlernen für sich selbst.


Was brauchst du als Instruktor?

Dies ist noch schwierig zu beantworten. Ich habe schon öfters Instruktoren gesehen, die es nicht aus Leidenschaft heraus gemacht haben. Wie in jedem Beruf gibt es auch hier viele Leute, die arbeiten und keine Freude daran haben. Für mich ist es aber wichtig, meine Leidenschaft und Energie und Freude weiterzugeben an diejenigen, die ihre Zeit mit mir verbringen. Da habe ich vielleicht das Glück eben dieser Sonnenschein zu sein. Dies steckt die Menschen automatisch an.


Was machst du an Tagen, an denen die Sonne nicht scheint?

Diese kenne ich natürlich trotzdem. Es gibt Tage, an denen ich mich körperlich nicht wirklich gut fühle, ein Bootcamp zu leiten. Da kommt dann aber meine Routine ins Spiel. Ich bin ein Mensch, der die Routine mag. Genauso wie Disziplin. Und dann starte ich einfach. Ich weiss, dass wenn ich beginne, meine Stimmung automatisch super sein wird. Nur die Überwindung kostet ein Stück Energie. Auch wenn ich selbst trainiere, muss ich mich manchmal überwinden.


Wirklich?

Ja, natürlich. Da musste ich die Balance lernen zwischen zu viel wollen und auf den Körper zu hören. Wenn man mal nicht mag oder schlichtweg keine Lust auf das Training hat, kann man es auch einfach sein lassen. Der Körper sagt es uns.


Machst du auch isoliert Kraftsport?

Nicht mehr. Damit habe ich ganz aufgehört. Ich habe zwei Jahre lang Wettkämpfe bestritten. In der Bikini-Klasse. Dort habe ich das Thema Kraftsport extrem ausgereizt. Ich habe es sehr gerne gemacht und es hat mir enorm viel gegeben. Zu dieser Zeit. Aber ich habe mich damit lange Zeit nur betäubt. Als Ablenkung funktioniert es ziemlich gut. Ich würde es nicht nochmals machen, auch wenn es mich irgendwie reizt, irgendwann wieder anzutreten. Aber ich lebe mittlerweile einfach zu gerne.


Wie meinst du das? Hast du während dieser Zeit nicht gelebt?

Doch schon, aber anders. In den letzten zwei Jahren habe ich gelernt, glücklich zu sein. Mit allem, was zum Leben dazugehört. Mit den Höhen und den Tiefen. Und das auch wirklich spüren. Nicht einfach mit Sport abdämpfen, die Gefühle abschalten oder Schwachstellen in einer Form kompensieren. Sondern hinstehen, hinschauen und alles annehmen. Das heisst für mich Leben. Und dies möchte ich um keinen Preis hergeben.


Wie schmal ist der Grat zwischen Leidenschaft und Sportsucht?

Ich habe sehr viele Menschen mit Sportsucht gesehen. Ich habe aber auch jemanden näher gekannt, bei der es pure Leidenschaft und keine Sucht war. Es hat mir gezeigt, dass es auch einfach eine Leidenschaft sein kann. Mit viel Disziplin und Freude gepaart. Ich würde nicht sagen, dass ich persönlich 100% frei bin von den vielen Erfahrungen. Ich habe immer noch verschiedene Wehwehchen von dieser Zeit.


Wie zeigen sich diese Wehwehchen?

Diese können sich bei jedem in verschiedenen Formen zeigen. Manche sind nach einer solchen Phase übergewichtig, andere depressiv oder zählen jede Kalorie. Es braucht eine lange Zeit, bis man in einem gesunden Rhythmus ankommt. Ich bin immer noch daran, alles wieder auszubalancieren und vollkommen «normal und gesund» zu werden.


Wie bist du mit dem Kraftsport in Berührung gekommen?

Ich war schon immer sportlich. Als Kind und Teenie habe ich lange Zeit Leichtathletik gemacht. Danach hatte ich eine typische Ausgangsphase mit relativ exzessivem Alkoholkonsum. In dieser Phase hatte ich meinen Ex-Freund kennengelernt. Er war Personal Trainer. Dadurch mit ich mit der Thematik in Berührung gekommen. Daraus ist die Leidenschaft entstanden. Nach etwa einem Jahr habe ich all die Leute kennengelernt. Dann folgte der erste Wettkampf, als ich 20 war.


Was würdest du den Jugendlichen mitgeben, wenn es darum geht, mit sich zufrieden zu sein?

Seid nicht zu streng mit euch selbst. Es gibt Höhen und Tiefen. Egal ob es sich dabei um den eigenen Körper handelt oder eine Charaktereigenschaft, die man nicht so mag. Es braucht alles seine Zeit. Und die muss und darf man sich nehmen. Bewusst.

Über Corinne Ruf:

Corinne Ruf arbeitet als Sachbearbeiterin und verfolgt nebenher ihre Leidenschaft als Personal Trainerin. Ihr Fokus liegt dabei auf Bootcamps und Functional Training.



+41 (0) 79 677 29 76

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