• Diana Kottmann

Couchgeflüster #11 – Anina Mutter

«I'm a warrior» – an diesen Satz beziehungsweise dieses Lied von Demi Lovato erinnere ich mich stets, wenn ich an Anina Mutter denke. Mit ihr habe ich über Nachhaltigkeit, ihr Buch «EKKO», digitales Nomadentum und den Sinn vom Leben gesprochen.


Was bedeutet für dich nachhaltig zu leben?

Nachhaltigkeit hat für mich nicht nur mit BIo-Essen und fairen Kleidern zu tun. Nachhaltigkeit ist ein ganzheitlicher, holistischer Lebensstil. Für mich hat es auch mit Selbstliebe zu tun. Wenn man für sich selbst nur das Beste möchte, wählt man automatisch nachhaltige Alternativen aus. Wenn ich kein Gift essen möchte, dann wähle ich biologische oder lokale Lebensmittel. Oder wenn ich keine giftigen Substanzen auf meiner Haut haben möchte, bin ich bei der Naturkosmetik. Beim Thema Körper geht es dann um Yoga- und den Bewegungsbereich generell. Nachhaltigkeit ist somit ein Gesamtpaket. Ein anderer Ansatz das Leben zu leben.


Wie bist du auf diesen Weg gekommen?

Ich bin mit viel Respekt und Empathie für Natur, Umwelt und Tiere aufgewachsen. Ich habe bereits im Kindergarten Etiketten für den WWF verkauft. Das Grundwertesystem habe ich schon früh gelebt. Es dauerte dann aber seine Zeit, bis ich mich in die unterschiedlichen Bereichen vertief hatte. Der Grundsatz ist einfach: Je mehr ich weiss, desto weniger kann ich zurückgehen.

Ist ein nachhaltiges, holistisches Leben nicht teurer?

Ganz ehrlich: Ich lebe auch mal an der Armutsgrenze mit meinem Einkommen. Ich suche mir meine Jobs aber auch sehr gezielt aus und werbe nicht für alles. Trotzdem behaupte ich, dass es schlussendlich nicht teurer ist. Vielleicht ist es auf den ersten Blick teurer, wenn ich jetzt Bio-Sachen einkaufe. Mit deim ganzen Bewusstsein kommt aber ein anderes Verständnis. Was esse ich? Wie konsumiere ich? Die Menge an Konsum nimmt ab.


Was ist für dich der Sinn vom Leben?

Da stolpere ich regelmässig drüber. Wenn ich gerade eine schwierige Phase habe, frage ich mich immer wieder, worum es denn überhaupt geht. Ich habe keine klare Antwort. Ich weiss, dass ich sinnerfüllte Dinge machen möchte. Ich tue Gutes oder ich tue zumindest nichts Schlechtes. Für mich geht es um zwischenmenschliche Beziehungen. Liebe, Schenken, Erhalten. Darum, im Flow des Lebens zu sein. Dass man im Jetzt ist; weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft. Dazu gehört Vertrauen darin, dass sich alles so ergeben wird, wie es soll. Wenn man es schafft, im Jetzt zu sein, hat man schon viel erreicht. Dies ist sehr schwierig und eine grosse Aufgabe. Dann muss man den Sinn aber auch nicht mehr suchen. Man ist einfach.


Du nennst dich «Digital Nomad». Was steckt dahinter?

Für mich heisst dies, dass ich für meinen Job wenig brauche. Laptop, Internet, Handy. Vielleicht sogar nur Handy und Internet. Ich habe die Freiheit, dass ich von überall auf der Welt arbeiten kann. Wenn ich dies möchte. Ich klammere mich nicht fix an etwas. Ich erlaube mir, von einem realisierten Projekt zum anderen zu gehen. Die Nomaden reisten auch von Ort zu Ort. Und gerade dieses Gefühl ist sehr stark in mir verankert.


Du hast ein Buch geschrieben – EKKO. Erzähl!

Ekko ist die Abkürzung von meiner Plattform Ekkoist. Ekkoist steht für Egoismus 2.0. Wenn man für sich selbst das Beste will, wählt man nachhaltige Alternativen. Beim Buch handelt es sich um einen nachhaltigen Travelguide. Darin habe ich 64 Perlen aus der Deutschschweiz zusammengetragen. Diese bewegen sich in den Bereichen Essen, Einkaufen, Übernachten, Wellness etc. Es ist die Liste, die ich mir gewünscht habe, es würde sie geben.


Wie war diese Erfahrung für dich?

Es war sehr fordernd, weil ich von A-Z alles alleine gemacht habe. Vision, Umsetzung, Vertrieb, Marketing - alles lief auf mich. Dies war intensiv und hat auch Spuren hinterlassen. Doch ich darf mich nun Autorin nennen. Ein solches Projekt ist zudem von unschätzbarem Wert.


In deiner Instagram Bio steht #beComingWarriorWoman – was gibst du uns Frauen auf den Weg?

Wir erhalten viele Frauenbilder vorgelebt. Ich frage mich: Wie kann mein persönliches Frauenbild sein? Ich liebäugle da in Richtung Amazone. Das Bild einer starken, unabhängigen Frau, die körperlich und mental das Kriegerische mitbringt. Ich hatte eine grosse Krise. Darin fragte ich mich, ob ich nun keine Warrior Woman mehr sein kann, weil ich jetzt schwach bin. Dies war eine spannende Auseinandersetzung mit mir selbst. Ich musste verstehen, dass es bei einer Warrior Woman auch darum geht, wie man die schwierigen Situationen meistert. Auch eine Warrior Woman darf Schwäche haben. Sie ist nicht immer stark. Es ist die Polarität von nachgiebig, zart, sensibel, weich und gleichzeitig stark, kraftvoll, aufstehen und hinstehen für andere. Wichtig ist, dass man sich nicht in einem Extrem verliert. Dies ist mein Hauptthema. Ich bin noch nicht fertig und werde auch nicht fertig sein, denn ich habe kein Rezept. Es ist meine Reise. Wo suche ich und was versuche ich, um mich selbst zu formen. In ein besseres Ich.


Du schaust hin, wo andere wegschauen. Beispiel: Thema Menstruation. Dies ist nicht verbreitet. Warum du?

Ich habe noch nie in den Mainstream gepasst. Ich lache oftmals über mich selbst. Der Mainstream macht das, ich mache das Gegenteil. Automatisch. Ich habe das Bedürfnis, meine Stimme für Dinge einzusetzen, die für mich tiefer gehen, schambehaftet sind oder ein Tabu thematisieren. Ich bin tendenziell nicht aktivistisch unterwegs und versuche meine Themen auf eine elegante Art und Weise zu verpacken. Es gibt schon genug, die alles andere bespielen. Mein grösstes Bedürfnis ist es, echt zu sein. Und dies auch in meiner Online Präsenz. Wenn mich jemand online kennt und mich dann privat sieht, muss es übereinstimmen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Authentizität die Leute berührt. Mein Wunsch ist es, den Leuten wertvolle und ehrliche Dinge mit auf den Weg zu geben.


Was sind deine weiteren Ziele?

Noch mehr und stärker im Moment leben zu lernen. Karriere ist sicher etwas sehr Spannendes, aber ich bin viel stärker darauf fokussiert, wie ich das Leben arrangieren kann, dass ich glücklich bin. Wenn ich dann feststelle, dass mir etwas nicht guttut, mache ich es lieber nicht, als dass ich mich für den Erfolg verkaufe. Dies ist nicht mein Stil. Ich habe Projektideen und kreative Dinge, die ich umsetzen möchte.


Über Anina Mutter:

Anina Mutter ist ausgebildete Schauspielerin und Tänzerin, hat einen Bachelorabschluss in Design Management und ist seit Jahren als Nachhaltigkeits-Bloggerin bekannt. Mit einem starken Willen ausgerüstet, zeigt sie in ihrem Online Auftritt, welche Themen von langfristigem Interesse sind. Die spannenden Artikel findet ihr auf ihrem Blog ekkoist.



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