Couchgeflüster #38 - Alessio Iannattone

Der 21-jährige Ustermer Alessio Iannattone hat in den letzten Monaten seinen Traum verwirklicht: Sein eigenes Modelabel - «Mariggi». Dieses umfasst bisher eine Winter- sowie eine Frühlingskollektion. Mit dem gewählten minimalistischen Stil, der auf junge Männer und Frauen passt, ist er am Puls der Zeit.

dianakottmann.com | Blog | Couchgeflüster | Michael Schweizer
Alessio Iannattone | Gründer «Mariggi« | ©mariggi.com

Was bedeutet Mode für dich?

Alles. Leidenschaft. Vielseitigkeit. Repräsentation. Man kann herausspüren, was hinter einem Menschen steckt, wenn man den Stil in Verbindung mit der Ausstrahlung anschaut. Auch wenn man natürlich dabei nicht über Vorurteile gehen und Menschen schubladisieren sollte. Aber es ist schon so, dass die Mode uns repräsentiert. Wir bilden dadurch unsere eigene Marke.


Mit welchem Stil identifizierst du dich?

Streetwear. Diesen Stil trage ich selbst sehr gerne. Deshalb möchte ich diese Form der Mode auch national in der Schweiz platzieren. Streetwear ist auch voll im Trend. Dies sieht man am Beispiel Louis Vuitton. Sie sprechen seit relativ kurzer Zeit sehr viele junge Menschen an. Aus dem Grund, weil sie diverse Kooperationen mit Streetwear Brands eingegangen sind.


Ist Oversize ein Thema?

Definitiv. Dies war aber schon früher «in». Wenn man alleine an die gesamte Hip-Hop-Branche denkt. Die Rapper waren wohl das Aushängeschild von Oversize. Doch der Unterschied, dass man damals Artikel bewusst in XXL einkaufen musste. Heute bleibst du bei deiner eigenen Grösse und die ist bereits in Oversize geschnitten. Markt und Mode selbst haben sich verändert. Jeder Trend vergeht – um Jahre später zurückzukommen.


Was trägst du selbst?

Ich kleide mich simpel - und bequem. Das ist mir wichtig. Und natürlich trage ich je länger je mehr auch die Kleider meines eigenen Labels. Denn gerade wenn mich jemand auf der Strasse sieht, ist dies ein guter Aufhänger. Mund-zu-Mund-Werbung ist für mich noch immer die beste Marketing-Lösung. Und sonst unterstütze ich auch normale No Name Artikel von Zalando gerne.


Was meinst du zu Fast Fashion?

Da bin ich kein grosser Fan, obwohl ich jahrelanger Zara-Kunde war. Ich habe in der Recherchephase meiner Geschäftsidee mehrere Dokumentationen geschaut. Das ist wirklich gar nicht schön, was da abgeht. Zara und H&M sind da leider vorne mit dabei. ich mehrere Dokus gesehen. Wenn man heute Modeschauen sieht, werden in zwei Wochen ähnliche Artikel im Zara und H&M erhältlich sein. Dies aus dem Grund, weil Prada, Chanel oder Dior für viele einfach nicht zahlbar ist. Es ist auch verständlich, dass man dann diese Artikel kauft. Aber dennoch hat dieser Bereich der Mode zu viel Macht.


Wie wirkst du dagegen?

Ich shoppe nicht mehr in diesen Läden. Und in Bezug auf mein eigenes Label wird alles nur limitiert produziert. Es gibt vier saisonale Drops. Das gibt einen regelmässigen Abstand von drei Monaten, in denen man genug Zeit hat, die neue Kollektion zu produzieren.


Warum bist du auf diesen minimalistischen Stil gekommen? Ich war schon immer eher minimalistisch unterwegs. Schon als ich bei meinen Eltern aufwuchs. In meinem Zimmer gab es ein Bett, einen Schrank und einen Fernseher. Das wars. Einen Tisch suchte man vergebens. Aber minimalistisch kann alles sein. Auch ein Kugelschreiber. Ein Macbook ist für mich beispielsweise auch minimalistisch. Es hat genau das, was es benötigt. Und das dafür in der bestmöglichen Variante. Für mich ist minimalistisch der neue Luxus. Getreu dem Motto: «Weniger ist mehr». Man sieht diese Form auch überall. In der Architektur, in der Modebranche, in der Einrichtung in den eigenen vier Wänden. Man fühlt sich oftmals wohler mit wenigen Dingen.


Was ist dir wichtig bei deinem Label?

Ich mag es nicht, zu viel Details auf Shirts oder Pullovern zu haben. Totenkopf, grosse Aufdrucke, Sterne, Glitzer, Schrift. Für mich ist dies zu extrem. Zudem würde dies auch null meine gewünschte Zielgruppe ansprechen. Damit kann ich mich nicht identifizieren. Und wenn man sich damit nicht identifizieren kann, kann man auch keinen Erfolg haben. Dann machst du etwas, das du gar nicht gerne machst. Und du bist nicht dich selbst. Wenn mir aber Etwas gefällt, kann ich mehr oder wneiger davon augehen, dass es meiner Zieglruppe auch gefällt. Die kennen mich in Bezug auf meinen Geschmack und Style.


Woher kommt deine Inspiration?

Ich gehe nicht auf Social Media oder Google und versuche jemanden zu kopieren. Klar, man sieht immer mal wieder Beispiele und überlegt sich dann, wie man dies auf die eigene Art und Weise umsetzen könnte. Details machen sehr viel aus. Ich suche aber nicht aktiv, sondern lass es einfach auf mich zukommen. Ich lasse mich gerne draussen inspirieren. In der Natur. Von der realen Welt. Die Idee zu meinem Cap «Thinking Cap» hatte ich beispielsweise während ich den Film von Mel Gibson «Science» schaute. Da ging es in einer Szene um einen Aluhelm und dass Ausserirdische das Gedächtnis nicht auswählen können, wenn dieser Helm getragen wird. Dann überlegte ich, wie ich dies mit Mode verbinden kann.


Hast du Vorbilder?

Ja. Im Bereich Mode ist dies Jerry Lorenzo mit seinem Label Fear of God und Essentials. Philipp Plein finde ich extrem, wenn es um die Vermarktung geht. Auch wenn die Kleidung nicht mein Ding ist. All die grossen Brands sind oftmals erfolgreich wegen dieser einen Person. Nehmen wir Tesla. Elon Musk ist mein grösstes Vorbild. Es gibt wohl keine andere Automarke, die einen solchen Auftritt hinlegt und so viel Publikum anzieht. Oder Apple und Steve Jobs. Man orientiert sich nur noch an der Person.


«Mariggi» – woher kommt der Name?

Ursprünglich kommt Mariggi von Palmariggi. Dies ist ein Dorf in Italien, aus dem meine Mutter stammt. 2019 war ich da. Mein Vater mietete ein Auto, da ich noch nicht fahren durfte. Wie es der Zufall wollte, habe ich immer und immer wieder diese Ortstafel wahrgenommen. In diesem Zeitraum habe ich mich selbständig gemacht. Mein Anspruch an einen Namen war immer, dass eine Botschaft dahinter stecken muss. Oder der Bezug zu mir direkt. Sei es als Wort, Geschichte, Logo. Im Hotelzimmer habe ich den Ortsnamen Palmariggi aufgeschrieben, umgeordnet, Buchstaben weggelassen. Pal habe ich dann schlussendlich weggelassen. Ein kurzer Name war mir wichtig. Einfach, eingängig, Wiedererkennungswert. Und zudem einfach auszusprechen auf deutsch, italienisch und englisch.


Kommen KäuferInnen direkt von deiner Instagram-Community?

Teils. Von den deutschen Käufern sind ein paar davon Instagram-Follower. Ich habe dazu immer wieder Feedbacks gepostet von Nachrichten. Dies gab sicherlich einen Anstieg in den Bestellungen von Seiten meiner Follower. Es gab aber auch viele, die direkt aus den Facebook-Ads resultierte. Am Besten zieht bei mir aber nach wie vor die Weiterempfehlung.